kinderrechte.de – Das Praxisportal für Fachkräfte

Tendenzen und Herausforderungen: Kinder- und Jugendbeteiligung

Entwicklungen bei der wirksamen Beteiligung von Kindern und Jugendlichen mit Schwerpunkt auf herausfordernde Aspekte

Teilhabe

Insgesamt ist zu beobachten, dass die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen im Überprüfungszeitraum (2021–2026) stärker ins Bewusstsein gerückt ist. Dazu gehört unter anderem auch die Beteiligung jüngerer Kinder oder von Kindern aus marginalisierten Gruppen, die in den vergangenen Jahren stärker in den politischen Fokus gerückt sind. Bundesweit fällt auf, dass Beteiligungsrechtstrukturen sehr unterschiedlich umgesetzt sind, insgesamt in den vergangenen Jahren jedoch gestärkt wurden.1 Um die entsprechenden Entwicklungen darzustellen, wurden, neben der eigenen fachlichen Expertise für den Teilbereich „Jedem Kind eine Stimme geben“, die am Deutschen Kinderhilfswerk vorhanden ist, die Ergebnisse einer Fokusgruppendiskussion mit einbezogen.  

Die Fokusgruppe wurde im Oktober 2025 mit neun Jugendlichen im Alter von 14 bis 18 Jahren durchgeführt. Dabei wurde angesichts der kleinen Gruppengröße großer Wert darauf gelegt, eine möglichst vielfältige Gruppe (Vielfaltsdimensionen Migration, Gender und sozioökonomischer Hintergrund) zusammenzustellen. Die Ergebnisse der Diskussion können aufgrund der geringen Teilnehmer*innenzahl nicht als repräsentative Ergebnisse genutzt werden, helfen jedoch dabei, die Perspektiven von Kindern und Jugendlichen besser zu verstehen. Die Jugendlichen diskutierten unter anderem Themen wie die Bekanntheit der Kinderrechte, Förderung der Beteiligung und Demokratiebildung in den Lehrplänen.

Im Folgenden werden Entwicklungen aus kinderrechtlicher Sicht abgebildet und anhand relevanter Beispiele dargestellt, wobei der Schwerpunkt auf den herausfordernden Aspekten liegt. Dabei wird überwiegend über die neuesten Veränderungen und nicht über bereits bestehende staatliche Maßnahmen berichtet. Der Text entspricht dem Stand von März 2026. Teilweise werden sich überschneidende Aspekte, die hier nicht aufgegriffen werden in einem der anderen sechs Teilbereiche der Strategien weiter ausgeführt (s. dazu „Tendenzen und Herausforderungen“ der Themenbereiche „Krisen- und Notsituationen“ und „Chancengleichheit und soziale Inklusion“). Ausführlichere Informationen zu einzelnen Maßnahmen finden Sie in unserer Datenbank, die den Umsetzungsstand der Europäischen Strategien anhand staatlicher oder staatlich geförderter Maßnahmen dokumentiert. 

1 Vgl. BMBFSFJ, Abschlussdokumentation Nationaler Aktionsplan für Kinder- und Jugendbeteiligung , 97 

1. Child Participation Assessment Tool (CPAT)

2. Grundlagen für die Beteiligung junger Menschen schaffen

3. Kinder und Jugendliche zur Beteiligung befähigen und fördern

Infobox: Die Ergebnisse Fokusgruppe

Bezüglich der Förderung politischer Beteiligung von Jugendlichen sind insbesondere die schulbezogenen Diskussionsergebnisse aufschlussreich. Die befragten Jugendlichen schilderten, dass Entscheidungsmacht im Schulkontext überwiegend bei den Lehrkräften liege. Als wesentlicher Grund hierfür wurde wiederholt die Bindung an Lehrpläne genannt, die Beteiligungsformate erschwere oder verhindere. Die Bereiche, in denen Jugendliche tatsächlich mitentscheiden könnten, seien zudem thematisch begrenzt — genannt wurden etwa Klassenfahrten oder Schulfeste.

Demokratie wurde von den Befragten zwar als wiederkehrendes Thema im Schulalltag wahrgenommen, jedoch mit Einschränkungen: Einerseits wurde bemängelt, dass Lehrpersonal eigene Meinungen zu stark in Diskussionen einbringe und dadurch Meinungsvielfalt einschränke. Andererseits finde politische Diskussion vorwiegend anlassbezogen statt — etwa im Kontext von Wahlen oder im Politikunterricht — ohne dass darüber hinausgehende Möglichkeiten für politisches Engagement thematisiert würden.

Die U18-Wahlen an Schulen wurden von den Jugendlichen als prägende Erfahrung beschrieben, die geeignet sei, mit dem Wahlprozess vertraut zu werden. Zugleich berichteten die Befragten von Schulwahlergebnissen, bei denen rechtspopulistische Parteien sehr hohe Stimmanteile erzielten. Diese Ergebnisse erklärten die Jugendlichen teilweise mit dem Wunsch nach Provokation gegenüber dem Lehrpersonal, teilweise auch damit, dass rechtspopulistische Parteien Jugendliche über Social Media gezielt ansprächen. 

Teilhabe Maßnahmen

Entdecken Sie Praxisbeispiele für den Schutz, die Beteiligung und die Stärkung der Rechte von Kindern und Jugendlichen in der digitalen Welt.

mehr erfahren

Teilhabe Good Practice

Entdecken Sie Praxisbeispiele für wirksame Beteiligung, Mitbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe.

mehr erfahren