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Förderung von Spiel, Bewegung, Freizeit und kreativer Teilhabe

Spiel und Bewegung sind zentrale Bausteine für ein gesundes Aufwachsen. Auf dieser Seite erfahren Sie, wie das Recht auf Spiel und Bewegung in Stadtplanung, Bildungsarbeit und Alltagspraxis gestärkt und umgesetzt werden kann.

Das Recht auf Spiel

Für Kinder und Jugendliche ist es wichtig, sich die Welt handelnd zu erschließen. Das Spiel ist ein Grundbedürfnis von Kindern und stellt darüber hinaus für jüngere wie ältere Kinder eine der wichtigsten Lernformen dar. Im selbstbestimmten Spiel finden sie heraus, was sie mögen und was nicht, und erlangen ganz nebenbei motorische, soziale und emotionale Kompetenzen, lernen Rücksichtnahme und Regelverhalten. Auf diese Weise werden sie optimal auf ihr späteres Leben vorbereitet und in ihrer Persönlichkeitsentwicklung gestärkt. Daher setzt sich das Deutsche Kinderhilfswerk für ein freies, möglichst selbstbestimmtes, bewegtes und naturnahes Draußenspiel ein.

Artikel 31 UN-Kinderrechtskonvention

Recht auf Spiel, Freizeit und Erholung

“Die Vertragsstaaten erkennen das Recht des Kindes auf Ruhe und Freizeit an, auf Spiel und altersgemäße aktive Erholung sowie auf freie Teilnahme am kulturellen und künstlerischen Leben. Die Vertragsstaaten achten und fördern das Recht des Kindes auf volle Beteiligung am kulturellen und künstlerischen Leben und fördern die Bereitstellung geeigneter und gleicher Möglichkeiten für die kulturelle und künstlerische Betätigung sowie für aktive Erholung und Freizeitbeschäftigung.”

alle Kinderrechte im Wortlaut

Bewegungsförderung

Spiel und Bewegung sind existenziell für ein gesundes Aufwachsen und grundlegende Lern- und Bildungsprozesse. Beim bewegten Spiel sammeln Kinder vielfältige Erfahrungen. Durch diese lernen sie, in bestimmten Situationen schnell zu reagieren. Bewegung ist dabei weit mehr als Sport, sie ist Grundbedürfnis und Motor einer körperlichen und geistigen Entwicklung. Hüpfen, Rennen, Klettern, Schaukeln und Toben – so gelangen Kinder zu Bewegungssicherheit, Selbstständigkeit und räumlichen Kompetenzen. 

Handlungsfelder

Kinderfreundliche Stadt- und Freiraumplanung

Eine kinderfreundliche Planung endet nicht am Spielplatzzaun – sie nimmt den gesamten Stadtraum in den Blick und berücksichtigt aktiv und vorausschauend die Belange der Kinder bei allen städtebaulichen Maßnahmen: ob klassisch in der Bauleitplanung, der Freiraumplanung oder der Stadtgestaltung/-erneuerung. Hierzu bezieht sie die Zielgruppe möglichst aktiv in die Planungs- und Entscheidungsprozesse ein, denn Kinder sind die Expert*innen ihrer Lebenswelt.

Praxisbeispiele:

Kinderfreundliche Verkehrsplanung

Es braucht eine Verkehrsplanung, die für mehr Sicherheit von Kindern im Straßenverkehr sorgt. Kinder, die sich selbständig im Straßenverkehr bewegen und beispielsweise zu Fuß oder mit dem Rad zur Schule kommen, nehmen ihre Umgebung aktiv wahr. Sie lernen, sich gut zu orientieren und auf sich selbst aufzupassen. Das stärkt ihre Eigenständigkeit. Daher engagiert sich das Deutsche Kinderhilfswerk für eine an den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen ausgerichtete Verkehrspolitik und eine echte Mobilitätswende.

Praxisbeispiele:

Inklusive und naturnahe Spielraumgestaltung

Insbesondere naturnahe Spielräume laden dazu ein, die Welt mit allen Sinnen zu erforschen, gemeinsam kreative Spielmöglichkeiten zu entwickeln, sich zu bewegen und die eigenen Grenzen auszutesten. Dies fördert auch das emotionale Wohlbefinden und das soziale Miteinander. Inklusive und möglichst naturnahe Spielräume sprechen verschiedene Sinne, Fähigkeiten und Bedürfnisse an und ermöglichen es Kindern mit und ohne Behinderungen, gemeinsam ihr Recht auf inklusives Spiel zu leben.

Praxisbeispiele:

Praxistipp

Bewegung im Schulalltag

Bewegung fördert nicht nur die körperliche Gesundheit, sondern auch kognitive Fähigkeiten wie Konzentration und Gedächtnis. Bewegung aktiviert motorische Zentren im Gehirn, die eine wichtige Rolle bei der Informationsverarbeitung spielen. Bewegtes Lernen fördert die kognitive Entwicklung, indem es die Gehirnaktivität anregt und die Informationsverarbeitung optimiert. Lerninhalte, die spielerisch und körperlich eingebunden werden – etwa durch Rückwärtsrechnen im Gehen oder Hüpfspiele mit Rechenaufgaben – bleiben besser im Kopf und machen Spaß. 

Ebenso ist die bewegte Pause eine ideale Ergänzung zum bewegten Unterricht. Bewegte Pausen fördern nicht nur Fitness und Koordination, sondern auch soziales Miteinander und Konzentration. So lernen Kinder spielerisch den gesunden Wechsel zwischen Aktivität und Erholung kennen.

Lesen Sie mehr dazu auf den folgenden Seiten:

Die Bedeutung des Rechtes auf Spiel

Für Kinder und Jugendliche

Kinder und Jugendliche erschließen sich die Welt durch ihr eigenes Tun. Dabei stellt das Spiel für jüngere wie ältere Kinder eine der wichtigsten Lernformen dar und ist damit zum gesunden Aufwachsen überlebenswichtig. Kinder begreifen spielend – sowohl über Beobachtung und Nachahmung, als auch über eigenständiges Experimentieren – die Welt. So erschließen sie sich über das Spiel all ihre Gesetzmäßigkeiten: Wie funktioniert mein Körper, wie agiert man in Gruppen, und welche – beispielsweise physikalischen – Grenzen beeinflussen mein Spiel?

Spielformen und Spielorte sind dabei bedeutsame Begegnungs-, Kommunikations- und Beziehungsräume, die nicht nur der Persönlichkeitsentwicklung dienen, sondern auch vielfältige Lernerfahrungen ermöglichen. Im Spiel bilden Kinder all ihre motorischen, kognitiven sowie sozialen Kompetenzen aus. Spielräume bieten ihnen hierfür wichtige Risiko- und Grenzerfahrungen. Deshalb ist es besonders für jüngere Kinder wichtig, ausreichend Raum und Zeit zum freien, möglichst selbstbestimmten Spiel zu haben, damit sie in dieser wichtigen Entwicklungsphase ihr volles Potenzial ausschöpfen können.

Für Pädagog*innen

Spielen ist eine Grundbedingung für Lern- und Bildungsprozesse – und wird dennoch häufig unterschätzt. Denn Kinder begreifen spielend die Welt: Sie wollen sich und die Welt entdecken, sie verstehen und sich zugleich mit unbekannten Dingen vertraut machen. Das kindliche Spiel ist also keineswegs ein Nebenprodukt ihrer Entwicklung. Im Gegenteil: Spielen ist Lernen mit allen Sinnen und sollte daher nicht nur im außerschulischen, sondern ebenso im schulischen Umfeld die Bedeutung erhalten, die es verdient.

Für Planer*innen

Kindern ausreichend Aktionsräume zu ermöglichen, zählt zu den wichtigsten Aufgaben der Planung. Diese Räume sollten vielfältige Angebote für Spiel, Kultur, Kommunikation, Alltagsbewegung, aber auch Ruhe und möglichst naturnahe Erholung bieten. Darüber hinaus sollten Kinder und Jugendliche aktiv an der Gestaltung ihrer gesamten Lebenswelt beteiligt werden – nicht nur im Wohnumfeld, sondern auch an Bildungs- und Freizeitstätten. Dies sollte eine grundlegende Maßgabe kommunalen Handelns auf dem Weg zu einer kinderfreundlichen Kommune sein.

Unsere Angebote für Fachkräfte

Möchten Sie mehr zum Recht auf Spiel in all seinen Facetten erfahren, besuchen Sie gern unsere Fachwebseite  und stöbern Sie beispielsweise im Themenbereich 

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Unser Einsatz für das Recht auf Spiel

Neben unseren Förderaktivitäten setzen wir uns auf politischer Ebene für eine kinderfreundliche Planung ein. Wir engagieren uns u.a. für hausnahe Spielplätze, temporäre Spielstraßen oder Schulstraßen. In unserer Lobbyarbeit tragen wir durch Forderungen, Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit dazu bei, das Recht auf Spiel politisch zu stärken und vor Ort mit vielen Partner*innen zu verwirklichen. Durch Umfragen, Studien und Leitfäden liefern wir Daten, Erkenntnisse und konkrete Empfehlungen. Auf unserer Hauptseite finden Sie beispielsweise den Kinderreport von 2020 oder die Studie zur "Anlage von Spielplätzen durch nicht-öffentliche Bauherren/-träger in deutschen Großstädten."