Risikofaktoren und besonders gefährdete Gruppen von Kinderarmut in Deutschland
Als arm gilt, wer mit weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens auskommen muss.
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Als Fachkraft finden Sie hier eine fundierte Einführung in das Thema Kinderarmut in Deutschland – mit Fokus auf Auswirkungen, Lebenslagen und die professionelle Haltung im Umgang mit betroffenen Familien.
Kinderarmut ist ein drängendes gesellschaftliches Problem in Deutschland, welches weitreichende Auswirkungen auf die Entwicklung und Folgen für das Wohlbefinden von Kindern hat. Dabei ist es für Fachkräfte von zentraler Bedeutung, die Auswirkungen und Wirkungszusammenhänge zu verstehen, die mit Kinderarmut einhergehen. Wichtig ist es, ein Bewusstsein dafür zu haben, dass armutsbetroffene Kinder und Jugendliche keine Möglichkeit haben, selbst etwas an ihrer Situation zu ändern, denn Kinderarmut ist immer auch Familienarmut. Insofern spielt die Unterstützung der Familien eine zentrale Rolle beim Handeln von Fachkräften.
Trotz des großen Wohlstands in unserem Land ist jedes fünfte Kind von Armut betroffen, was sich negativ auf ihre Bildungschancen, Gesundheit und soziale Teilhabe auswirkt und letztlich negative Folgen für das gesamte Leben nach sich ziehen kann. Fachkräfte aus den Bereichen Sozialarbeit, Bildung und Gesundheit spielen eine entscheidende Rolle bei der Identifizierung und passgenauen Unterstützung betroffener Kinder und ihrer Familien. Dazu gehört auch ein umfangreiches Wissen, welche Unterstützungsangebote vorhanden und wo diese zu beantragen sind.
Als arm gilt, wer mit weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens auskommen muss.
Um die Auswirkungen von Kinderarmut zu verstehen ist das Lebenslagenmodell geeignet. Es zeigt, dass Kinderarmut nicht nur ein finanzielles Problem ist, sondern Auswirkungen auf viele Lebensbereiche hat, die miteinander verknüpft sind. Fachkräfte, die mit betroffenen Kindern und Familien arbeiten, sollten diese Mehrdimensionalität im Blick haben, um gezielte und ganzheitliche Unterstützungsangebote zu entwickeln.
Als Konsequenz aus dieser multidimensionalen Betrachtungsweise ergibt sich für Fachkräfte, dass im professionellen Handeln verschiedene Aspekte entsprechend berücksichtigt werden müssen. Grundlegend ist es dabei, die Situation und die Folgen von Armut in Bezug auf die einzelnen Lebenslagen zu verstehen.
Hinzu kommt, dass Armutsfolgen variieren, und zwar nach
Die Auswirkungen der finanziellen Ressourcenknappheit betreffen im privaten Lebens- und Lernumfeld sowie in der Schule die Ausstattung, Lernmaterialien, den Computer- und Internetzugang und den Zugang zu Freizeitmöglichkeiten.
Ebenso ist es für Fachkräfte wichtig zu wissen, welche staatlichen familienbezogenen oder Sozialleistungen (Kindergeld, Kinderzuschlag, Wohngeld, Leistungen der Bildung und Teilhabe, Bürgergeld) existieren und wo diese zu beantragen sind.
Dafür können Sie zum Beispiel auf die Seite der Sozialplattform verweisen. Dort können Informationen z.B. zum Kindergeld, Kinderzuschlag oder dem Bildungs- und Teilhabepaket sowie direkte Antragsformulare gefunden werden.
Neben diesen staatlichen Leistungen ist es auch vorteilhaft, Kenntnis über lokale (kostenfreie und vergünstigte) Angebote z.B. im Hinblick auf Schulessen, Lern- oder Nachhilfeangebote und regionale Förderprogramme zu haben.
Armutsbetroffene Kinder und Jugendliche tragen nicht die Schuld für ihre Situation. Sie selbst haben keine Möglichkeit etwas daran zu ändern, denn Kinderarmut ist immer auch Familienarmut.
Um in der fachlichen Praxis professionell und armutssensibel zu handeln, muss ein Bewusstsein dafür vorhanden sein.
Kinder und Jugendliche erleben aufgrund der geringeren finanziellen Möglichkeiten in den Familien Stigmatisierung, ständige Entbehrungen und Ausgrenzung. Für Pädagog*innen, Fachkräfte, aber auch Institutionsleitungen ist es von besonderer Wichtigkeit, die Situationen von Kindern und Familien mit Armutsrisiko besonders aufmerksam, respektvoll und gezielt zu berücksichtigen. Dabei sollte die professionelle Haltung von Wertschätzung, und Respekt geleitet sein. Es ist zudem wichtig, Vertraulichkeit zu wahren und Stigmatisierungen zu vermeiden. Es bedarf einer ständigen und eigenständigen Reflexion dieser Haltung. Es gilt lösungsorientiert zu bleiben, verantwortungsvoll zu handeln und kontinuierlich auf die Verbesserung der Teilhabechancen in den unterschiedlichen Dimensionen der betroffenen Kinder abzuzielen. Zudem ist in der Haltung von einer Defizitorientierung abzusehen. Stattdessen sollen die Stärken und Potenziale der Kinder hervorgehoben und unterstützt werden.
Im Idealfall werden die Eltern oder Erziehungsberechtigten frühzeitig eingebunden und auch in ihren Aufgaben unterstützt. Auch hier ist ein wertschätzendes und respektvolles Vorgehen handlungsweisend. Dabei stehen im Vordergrund:
Diese Abstimmung sollte gemeinsam mit den Eltern oder den Erziehungsberechtigten, zumindest im Regelfall mit deren Kenntnis erfolgen. Die Unterstützung kann beispielsweise beim Zugang zu Formularen, dem Ausfüllen von Anträgen, der Einhaltung Fristen oder auch nur bei Hilfe von Terminvereinbarungen (z. B. bei Bildungspaket, Kinderzuschlag, Grundsicherung, Elterngeld oder Elternzeitregelungen) erforderlich sein.