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Kinderrechte in der Schule umsetzen

Kinderrechtebildung gehört in jede Schule. Denn jedes Kind sollte die eigenen Rechte kennen! Doch was bedeutet das für den Schulalltag? Und wie kann das gelingen? Das erfahren Sie hier.

Kinderrechte im Schulalltag

Schulen sind nicht nur Orte des Lernens, sondern auch zentrale Lebensorte für Kinder. Hier verbringen sie einen großen Teil ihres Alltags und somit ihrer Kindheit. Hier entwickeln sie ihre Persönlichkeit und ihre Fähigkeiten und sammeln wichtige soziale Erfahrungen. Aufgabe von Schule ist es, sie dabei zu begleiten und bestmöglich auf ein selbstständiges Leben vorzubereiten. Dazu gehört auch, den Kindern zu vermitteln, welche Rechte sie haben, wie sie sich für diese einsetzen und dafür Verantwortung übernehmen können. 

Ein Schulalltag, in dem die Kinderrechte umgesetzt sind, bedeutet: Das Wohl des Kindes steht immer an erster Stelle. Kinder sind im Alltag vor Gewalt und Diskriminierung geschützt, werden optimal auf ihrem Bildungsweg gefördert und sind an Entscheidungen rund um das Schulleben beteiligt. Und eine solche Umsetzung von Kinderrechten in Schulen zahlt sich aus: Wenn Kinderrechte nicht nur theoretisch vermittelt, sondern auch gemeinsam gelebt werden, hat das positive Auswirkungen auf die Kinder und das Lernklima: Hier fühlen sich Kinder eher wohl, ernst genommen und wertgeschätzt. An einem für sie so zentralen Ort wie der Schule werden sie somit nachhaltig darin bestärkt, selbst für ihre Rechte – und die anderer Menschen – einzutreten.

 „Wenn wir es hier bei uns an der Schule nicht schaffen, dass Kinderrechte wichtig sind, wie soll es dann auf der ganzen Welt klappen?“ 
Tijen, 6. Klasse, Löcknitz-Grundschule Berlin

Fortbildung: Kinderrechte in und an der Grundschule umsetzen

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Kinderrechte in Schulen – Stimmen von Schüler*innen

Warum ist es Schüler*innen wichtig, dass in der Schule Kinderrechte gelebt werden? Und warum sollten sich aus ihrer Perspektive Fachkräfte mit dem Thema beschäftigen? Diese Fragen beantworten Schüler*innen der Grundschule an der Marie, einer Kinderrechteschule des Deutschen Kinderhilfswerkes in Berlin, im folgenden Video:

Warum Schulen eine Schlüsselrolle bei der Vermittlung von Kinderrechten spielen

Schulen haben als Ort für Kinder und somit auch als Ort für Kinderrechte eine Vorbildfunktion, denn sie sind der einzige Ort, den alle Kinder besuchen und an dem alle Kinder demokratische Werte, Selbstwirksamkeit und Beteiligung erfahren können. Schulen tragen dabei auch die Verantwortung, Kinderrechte bekannt zu machen – denn das Wissen um die eigenen Rechte ist selbst ein Kinderrecht. Artikel 42 der UN-Kinderrechtskonvention verpflichtet die Vertragsstaaten, sicherzustellen, dass sowohl Kinder als auch Erwachsene über Kinderrechte informiert sind. Artikel 29 betont zudem den Bildungsauftrag, Kinder zu befähigen, ihre Rechte zu kennen und wahrzunehmen. Als staatliche Bildungseinrichtungen nehmen Schulen hier eine Schlüsselrolle ein: Es ist ihre Aufgabe, Kinderrechte sichtbar zu machen und sowohl Kinder als auch deren Eltern darüber aufzuklären. Die Umsetzung dieses Auftrags leistet einen wesentlichen Beitrag zur Stärkung von Kindern im Sinne einer kinderrechtsbasierten Bildungsarbeit.

Online-Dossier

Kin­der­rech­te le­ben – in Schu­le und Hort!

Das Dossier des Deutschen Kinderhilfswerks zeigt, wie Kinderrechte im Schul- und Hortalltag konkret umgesetzt werden können. Es beleuchtet 17 zentrale Rechte, von Mitbestimmung über Schutz vor Gewalt bis hin zu Gesundheit und Freizeit. Anhand von Praxisbeispielen und Erfahrungen aus ausgezeichneten „Kinderrechteschulen“ erhalten Lehr- und Fachkräfte Impulse für die Integration der Kinderrechte in ihren Alltag. Das Dossier bietet zudem Materialien und Anregungen für eine ganzheitliche Kinderrechtebildung.

Die Kinderrechte in der Schule vermitteln und leben

Kinder lernen am nachhaltigsten, was Kinderrechte bedeuten, wenn sie im Alltag erleben, dass ihre Rechte geachtet werden, sie sich aktiv beteiligen und sich für die eigenen Rechte stark machen können. Der Dreiklang der Kinderrechtebildung, Bildung über, durch und für Kinderrechte, zeigt auf, wie Kinderrechte nicht nur vermittelt, sondern auch erfahrbar gemacht und gelebt werden können.

Sie wollen sich mit dem Thema Kinderrechtebildung vertieft beschäftigen?

Auf der Übersichtsseite „Wie Kinderrechte in Schulen leben?“ auf unserem Online-Dossier „Kinderrechte leben – in Schule und Hort“ finden Sie Grundlagentexte rund um Kinderrechtebildung sowie vertiefende Beiträge, z.B. zu kinderrechtebasierter Elternarbeit oder der Umsetzung einzelner Rechte im Schulalltag. 

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Tipps für den Start zu mehr Kinderrechten im Schulalltag

Um sich als Team gemeinsam auf den Weg zu (mehr) Kinderrechten in der eigenen Einrichtung zu machen, bieten sich die folgenden Schritte und Maßnahmen an. Diese können ganz am Anfang der Auseinandersetzung mit den Kinderrechten stehen, aber auch im Prozess wiederholt und überprüft werden: 

  1. Die eigene Haltung zu den Kinderrechten (gemeinsam) ergründen, z. B. mit dem Reflexionskartenset „Demokratie In der Praxis“ .
  2. Ein Kinderrechte-Team gründen, z. B. in Form einer AG (Fachkräfte und Kinder), die Aktionen und Maßnahmen zu den Kinderrechten gemeinsam plant.
  3. Einen gemeinsamen Kinderrechte-Check machen, z. B. mit folgenden Fragen: Was machen wir in unserer Schule schon zu den Kinderrechten? Welche Kinderrechte sind schon umgesetzt und wo besteht noch Verbesserungsbedarf? Ein solcher Kinderrechte-Check kann z.B. sowohl von Schüler*innen als auch Eltern und Lehr- und Fachkräften durchgeführt werden, um ein umfassendes Bild zu erhalten.
  4. Beteiligung und Beschwerde ermöglichen, z. B., indem alltägliche Entscheidungen gemeinsam getroffen werden, ein Schüler*innen-Rat gegründet oder eine Beschwerde-Sprechstunde eingeführt wird.
  5. Die Kinderrechte in der Schule sichtbar machen, z. B. mit den Plakaten  des Deutschen Kinderhilfswerkes, einer Kinderrechte-Wimpelkette oder von den Kindern gestalteten Kinderrechte-Kunstwerken.

Ideen für Kinderrechte-Aktionen

Um auch Eltern und weitere Personen im Umfeld der Schule über die Kinderrechte zu informieren und die Kinderrechte allgemein bekannter zu machen, eignen sich verschiedene Kinderrechte-Aktionen. Eine Auswahl dieser finden sie hier:

    Kinderrechte-Stühle gestalten

    Nach dem Motto „Ein Platz für unsere Rechte“ gestalten die Schüler*innen einen oder mehrere Stühle mit Hilfe künstlerischer Mittel zu kinderrechtlichen Themen und weisen ihnen einen wichtigen Platz in der Schule zu. Es kann auch eine Ausstellung mit den Stühlen organisiert werden, z.B. auf einem öffentlichen Platz oder im Rathaus. Mit dem Upcycling-Projekt können Kinder ihre Kinderrechte nachhaltig sichtbar machen.

    Kinderrechte-Kreidebild malen

    Kinder haben Rechte! Und das können sie allen zeigen: Sie malen ein riesiges Kreidebild zum Thema Kinderrechte auf den Schulhof oder auf einen öffentlichen Platz. Um vielen Menschen das Kunstwerk zu präsentieren, werden Familien, Mitschüler*innen, lokale Entscheidungsträger*innen und Journalist*innen zur Präsentation eingeladen. Die Kinder kommen anschließend mit ihnen ins Gespräch und teilen ihre Wünsche und Forderungen mit.

    Kinderrechte Flashmob

    Die Schüler*innen organisieren einen Flashmob, mit dem sie auf ihre Kinderrechte aufmerksam machen. Ein Flashmob ist eine kurze, scheinbar spontane Aktion an einem öffentlichen Platz mit möglichst vielen Teilnehmenden. Dabei kann getanzt oder gesungen werden. z-B. zum Kinderrechte-Song „Ich darf das“. Schilder können hochgehalten werden. Der Auftritt ist laut oder leise möglich. Anschließend kann das Gespräch mit Passant*innen gesucht werden.

    Kinderrechte-Spendenaktion

    Die Schüler*innen unterstützen ein Projekt oder eine Organisation zur Umsetzung von Kinderrechten mit Spenden oder setzen mit gesammelten Spenden ein eigenes kinderrechtliches Anliegen um. Dafür organisieren sie eine Spendenaktion, z.B. in Form eines Kinderrechte-Spendenlaufs, eines Flohmarktes oder einer gesponserten Müll-Sammel-Aktion.

    Große Kinderrechte-Wimpelkette gestalten

    Die Schüler*innen basteln eine riesige Wimpelkette, auf die sie ihre Kinderrechte und/oder Forderungen zu den Kinderrechten schreiben oder malen. Die Wimpelkette kann in der Schule oder einem anderen öffentlichen Ort aufgehängt oder Entscheidungsträger*innen überreicht werden.

Materialtipp

10 Ideen für Aktionen rund um die Kinderrechte

Sie möchten mit Ihrer Klasse eine Kinderrechte-Aktion durchführen? In unserem Material „10 Ideen für Aktionen rund um die Kinderrechte“ finden Sie Ideen dafür! Mithilfe von Aktionskärtchen können die Schüler*innen ihre Aktion selbst auswählen. Sie setzen sich vertieft mit den Kinderrechten auseinander und handeln aktiv für ihre Rechte.

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Die Rolle von Lehr- und Fachkräften bei der Umsetzung von Kinderrechten

Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte haben eine zentrale Rolle bei der Vermittlung und Verwirklichung von Kinderrechten. Als bedeutende Bezugspersonen im Leben von Schüler*innen haben sie das Recht, die Verantwortung und die Pflicht, die ihnen anvertrauten Kinder bei der Wahrnehmung ihrer Rechte zu begleiten und zu unterstützen (Art. 5 UN-Kinderrechtskonvention). Auch die Kultusministerkonferenz hebt Menschenrechtsbildung und die Verwirklichung der Kinderrechte als Kernaufgaben schulischer Bildung und als Bildungs- und Erziehungsauftrag für Lehrkräfte sowie aller in Schulen tätigen Fachkräfte hervor. Dazu gehört, Schüler*innen zu ermutigen und zu unterstützen, ihre eigenen Rechte wahrzunehmen und sich für die Rechte Anderer einzusetzen. Dafür braucht es nicht nur fundiertes Wissen, sondern auch eine Haltung, die sich am Kinderrechteansatz orientiert – sowohl individuell als auch im Team. 

Der Kinderrechte-Ansatz in der Schule

Von einer Umsetzung des Kinderrechteansatz wird gesprochen, wenn alle Konzepte, Entscheidungen und Handlungen in der Schule an den Rechten von Kindern ausgerichtet sind und Kinder als Subjekte mit garantierten Rechten wahrgenommen werden, anstatt sie als Objekte von Erziehung und als Schutzbefohlene der Erwachsenen zu sehen. Eine Pädagogik ausgerichtet am Kinderrechteansatz fragt somit nicht nur nach Bedürfnissen von Kindern, sondern auch nach ihren Rechten. Alle Lehr- und Fachkräfte innerhalb der Schule verstehen sich als Verantwortungsträger*innen für die Umsetzung der Kinderrechte und schaffen Strukturen, durch die sowohl die Förderrechte der Kinder, als auch die Beteiligungs- und Schutzrechte eingehalten werden und ausnahmslos alle Kinder zu ihrem Recht kommen.

Good Practice: Kinderrechteschulen

Mit dem Projekt Kinderrechteschulen unterstützt das Deutsche Kinderhilfswerk Grundschulen über einen Zeitraum von einem Jahr darin, die Kinderrechte im Unterricht altersgerecht zu vermitteln und sowohl in der Schule als auch im Schulumfeld umzusetzen.

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Lehrkräfte als Vorbilder für Kinderrechte

Lehr- und Fachkräfte können für die Verwirklichung der Kinderrechte im Schulalltag Verantwortung übernehmen, indem sie sich z.B. dafür einsetzen, dass die Kinderrechte regelmäßig und altersgerecht an ihren Schulen vermittelt werden, sie im Alltag oder in Konfliktsituationen immer wieder Bezug auf die Kinderrechte nehmen und selbst als Vorbild für ein menschenrechtsbasiertes, demokratisches Miteinander handeln. 

Indem Lehr- und Fachkräfte diese Verantwortung übernehmen, tragen sie aktiv dazu bei, Kinder zu stärken. Denn: Anhand der Kinderrechte lernen Kinder für sich und ihre Bedürfnisse und Rechte einzustehen. Sie lernen, dass ihre Stimme wichtig ist und gehört wird. Sie lernen, dass es Grenzen gibt, die sie einfordern können. Das wirkt sich positiv auf Selbstwirksamkeit und Selbstwert aus. So zeigen z.B. die Ergebnisse der Studie "Demokratiebildungsprozesse bei Kindern im Übergang von der Kita in die Grundschule" , dass in Kitas und Schulen, in denen umfangreiche demokratiebildende Konzepte zum Einsatz kommen, Kinder in wichtigen Kompetenzen wie Selbstständigkeit, Selbstbewusstsein, Kompromissfähigkeit sowie in der Fähigkeit zur Aushandlung und Empathie gestärkt wurden. 

Kinderrechtebildung und die Umsetzung von Kinderrechten ist dabei aber nicht allein die Aufgabe einzelner engagierter Lehr- und Fachkräfte. Eine kinderrechtebasierte Schulkultur entsteht nur, wenn sich alle gemeinsam auf den Weg zu mehr Kinderrechten machen: Schulleitung, Lehr- und Fachkräfte, Kinder und Eltern.

Relevante Ressourcen für die praktische Umsetzung von Kinderrechten

    Website

    Schulsache.de

    Poster

    Wimmelplakat „Kinderrechte-Orte"

    Buch

    Die Kinderrechte

    Broschüre

    Elterninfo „Kinderrechte gemeinsam leben“

    Poster

    Kinder haben Rechte!