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Dokumentation
Der diesjährige Fachtag „Kinderrechte kommunal umsetzen – vom Recht zur Realität“ fand am 01. Oktober 2025 in Mainz statt. Ziel der Veranstaltung war es, Kommunen zu vernetzen und über Wege der praktischen Umsetzung von Kinderrechten zu informieren. Im Mittelpunkt standen dabei Umsetzungsstrategien sowie die Bedeutung der Kinderrechte für die kommunale Ebene.
Der Fachtag wurde vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert und vom Ministerium für Familie, Frauen, Kultur und Integration Rheinland-Pfalz, der Stadt Mainz sowie dem Mainzer Bündnis für Kinderrechte unterstützt.
Eröffnet wurde die Veranstaltung durch Jana Schmöller, Beigeordnete und Dezernentin für Soziales, Kinder, Jugend, Schule und Gesundheit der Stadt Mainz. In ihrer Ansprache hob sie insbesondere die positiven Entwicklungen sowie die bestehenden Herausforderungen zur Umsetzung der Kinderrechte in Mainz hervor. Anschließend übermittelte Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Karin Prien, ein Grußwort, in dem sie betonte, dass die Verwirklichung der Kinderrechte in der unmittelbaren Lebenswelt der Kinder und somit auch im Rathaus, stattfinde.
Durch das Programm des Fachtags führte Charleen Florijn, die die Veranstaltung fachkundig begleitete und moderierte.
Hier geht es zum Programm:
Der Vorrang des Kindeswohls als Pflichtaufgabe im kommunalen Verwaltungshandeln
Referent: Prof. Dr. Philipp B. Donath
Der Vortrag „Der Vorrang des Kindeswohls als Pflichtaufgabe im kommunalen Verwaltungshandeln“ verdeutlicht, dass die Beachtung und Umsetzung der Kinderrechte keine freiwillige Aufgabe, sondern eine rechtliche Verpflichtung für Kommunen ist. Insbesondere das Kindeswohl, das Recht auf Beteiligung und das Recht auf Entwicklung müssen bei allen Entscheidungen, Planungen und Maßnahmen berücksichtigt werden, die Kinder betreffen. Dabei betont Prof. Donath, dass Kinder nicht nur durch allgemeine Vertretungsstrukturen, sondern individuell und direkt in Entscheidungsprozesse einbezogen werden müssen. Als praktische Hilfen empfiehlt er den Kommunen, Kinderrechte in ihren Satzungen zu verankern, Kinderbeauftragte einzusetzen und Checklisten zur Kindeswohlprüfung fest in die Verwaltungsabläufe zu integrieren. So kann langfristig eine kommunale Verwaltungskultur entstehen, die Kinderrechte nicht nur formal erfüllt, sondern aktiv und selbstverständlich in ihr Handeln einbindet.
Das Recht auf Information und die Entwicklung einer kommunalen Beteiligungskultur
Referentin: Sonja Jensen, Koordinatorin Kinderfreundliche Kommune Neuwied, Stadt Neuwied
Das Recht auf Information ist ein zentrales Kinderrecht und spielt eine wichtige Rolle für die Entwicklung einer kommunalen Beteiligungskultur, in der Kinder und Jugendliche ernst genommen und in Entscheidungsprozesse einbezogen werden. Kinder haben laut UN-Kinderrechtskonvention das Recht, sich frei zu informieren, ihre Meinung zu äußern und an sie betreffenden Angelegenheiten mitzuwirken. Damit sie dieses Recht tatsächlich ausüben können, müssen Informationen kindgerecht, verständlich und zugänglich bereitgestellt werden, etwa durch altersgerechte Sprache, transparente Entscheidungsprozesse und offene Kommunikationswege. Es befähigt Kinder ihre Interessen zu erkennen, zu formulieren und aktiv in die lokale Politik einzubringen. Voraussetzung dafür ist eine Verwaltung, die Kinderrechte umsetzt, Beteiligungsstrukturen schafft und die Perspektiven junger Menschen in Planungs- und Entscheidungsprozesse integriert.
Spielleitplanung als Instrument für eine kinder- und familienfreundliche Stadtentwicklung
Referent: David Knospe, Geschäftsführer Planungsbüro STADTKINDER, Dortmund
Die seit 1999 bestehende Spielleitplanung, entwickelt im Auftrag des Landes Rheinland-Pfalz, verfolgt das Ziel, Städte und Gemeinden aus der Perspektive von Kindern und Jugendlichen zu planen und ihr Lebensumfeld nachhaltig zu verbessern. Im Mittelpunkt steht die aktive Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an allen Planungs-, Entscheidungs- und Umsetzungsschritten. Die Spielleitplanung betrachtet dabei die gesamte Kommune als Lebensraum, in dem sich junge Menschen bewegen und wohlfühlen sollen. Die Spielleitplanung ist ein wirksames Instrument, um Kinderrechte praktisch zu verwirklichen und Kommunen zu Orten zu machen, in denen Kinder, Jugendliche und Familien aktiv mitgestalten können.
Ein Kinderrechte-Bündnis aufbauen. Wie funktioniert das?
Referentin: Ingrid Dubois, UNICEF AG Mainz/ Mainzer Bündnis für Kinderrechte
Das Mainzer Bündnis für Kinderrechte ist ein Zusammenschluss zahlreicher Organisationen, die sich seit 1999 für die Umsetzung und Bekanntmachung der UN-Kinderrechtskonvention in Mainz einsetzen. Heute vereint das Bündnis 17 Mitglieder. Darunter das Jugendamt, UNICEF, der Kinderschutzbund, Schulen, Stiftungen und Vereine und wird vom AGENDA-Büro der Stadt Mainz koordiniert. Ziel ist es, Kinderrechte in der Stadt dauerhaft zu verankern, Kinder und Jugendliche an Entscheidungen zu beteiligen und die Öffentlichkeit für deren Anliegen zu sensibilisieren. Zu den gemeinsamen Leitlinien gehören Aufklärung über Kinderrechte, die Förderung politischer Veränderungen und die konkrete Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention, auch für besonders schutzbedürftige Gruppen wie Flüchtlingskinder. Der Workshop auf dem Fachtag „Kinderrechte“ 2025 widmete sich daher der Frage, wie sich Kinderrechtebündnisse langfristig stärken lassen.
Referent: André Neupert, Referent Kinderarmut, Deutsches Kinderhilfswerk e. V.
Referentin: Mira Weiß, Vor-Ort-Koordinierung Glauburg Projekt: Chancen für alle Kinder im ländlichen Raum
Das Workshopforum Kommunale Präventionsketten von Mira Weiß und André Neupert beschreibt, wie durch Präventionsketten kommunale Strukturen geschaffen werden können, die Kinderrechte und insbesondere das Recht auf Förderung, Schutz und Teilhabe, systematisch in die Praxis überführen. Präventionsketten sind integrierte kommunale Gesamtstrategien, die Angebote der Gesundheitsförderung, Bildung, sozialen Teilhabe und Prävention über alle Lebensphasen hinweg koordinieren. Ziel ist es, ein tragfähiges Netzwerk aufzubauen, dass Kinder, Jugendliche und Familien frühzeitig unterstützt, Zugangshürden abbaut und Lücken im Hilfesystem schließt.
Im Rahmen der lebendigen Visitenkarte sowie des Marktplatzes erhielten die Teilnehmenden die Möglichkeit, miteinander in den Austausch zu treten und sich zu vernetzen.
Zahlreiche Organisationen, Vereine und Programme stellten dabei ihre Arbeitsschwerpunkte sowie Beispiele guter Praxis zur Umsetzung der Kinderrechte vor.
In einer offenen und anregenden Gesprächsatmosphäre wurden Kontaktdaten ausgetauscht und Erfahrungen aus der kommunalen Praxis geteilt, wodurch wertvolle Impulse für die weitere Umsetzung der Kinderrechte in den Kommunen entstanden.
Den Abschluss des Fachtags bildete die Podiumsdiskussion zum Thema „Umsetzungsstrategien von Kinderrechten auf kommunaler Ebene“. Unter der Moderation von Sönke Deitlaff (Kinderfreundliche Kommunen e.V.) diskutierten Klaus Peter Lohest (Kinderschutzbund Rheinland-Pfalz), Peter Jung (Bürgermeister der Stadt Neuwied), Katharina Rißberger (Kinder- und Jugendbeteiligung Mainz) sowie Jurij Klaeger und Rümeysa Onay (beide Landesjugendbeirat Rheinland-Pfalz). Im Mittelpunkt standen Fragen, wie Kinderrechte in der kommunalen Praxis stärker verankert, Beteiligungsstrukturen nachhaltig gesichert und Kinder und Jugendliche wirksam in politische Prozesse einbezogen werden können. Die vielfältigen Perspektiven aus Verwaltung, Zivilgesellschaft und Jugendvertretung machten deutlich, dass die Umsetzung von Kinderrechten gemeinsames Engagement, klare Strukturen und eine Kultur des Zuhörens erfordert.
Das Team der Koordinierungsstelle Kinderrechte erarbeitet Studien, Materialien und Positionen zu verschiedenen kinderrechtlichen Themen.