Kinderrechte in Deutschland
Engagement – Information – Vernetzung

Elisa Bönisch

Leiterin Fachstelle Kinderrechtebildung

030 - 308693-28

Vielfalt in der Kita

UN-Kinderrechtskonvention, Artikel 2 und 4:Achtung und Verwirklichung der Kinderrechte
„Kinderrechte gelten für alle Kinder, egal, welche Hautfarbe, Religion oder Sprache sie haben und ob sie Junge oder Mädchen sind. Die Kinderrechte müssen eingehalten und bekannt gemacht werden.“

UN-Kinderrechtskonvention, Artikel 23: Förderung von Kindern mit Beeinträchtigungen
„Alle Kinder haben die gleichen Rechte und sollen gleich behandelt werden. Kinder mit Behinderungen sollen besondere Unterstützung erhalten.“

Jedes Kind IST ANDERS. Jedes Kind ist einzigartig

Schon im Kindergartenalter entdecken Kinder, dass jeder Mensch anders ist. Sie erkennen, ob jemand blonde oder rote Haare oder eine dunkle oder helle Hautfarbe hat, ob jemand groß oder klein, dünn oder dick ist. Sie sehen, wenn jemand nicht laufen kann und einen Rollstuhl benötigt. Sie nehmen wahr, ob jemand gut sprechen kann oder eher nicht.

Jeder Mensch wird durch seine vielen Eigenschaften zu etwas Besonderem. Aus der Individualität eines Jeden setzt sich unsere Gesellschaft zusammen. Eine Aufgabe der Kita ist, die Kinder auf das Leben in einer heterogenen Gesellschaft vorzubereiten. Hier setzt das Konzept der vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung an, um ein Bewusstsein für Diversität schon von klein auf zu schaffen.

Was bedeutet vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung?

Kinder sollen selbst Erfahrungen mit Vielfalt machen können und angeregt werden, über Gerechtigkeit kritisch nachzudenken. Sie sollen gegenüber Vorurteilen sensibilisiert und dazu motiviert werden, aktiv gegen Unrecht und Diskriminierung vorzugehen. Das Ziel einer vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung ist, alle Kinder in ihrer eigenen Identität zu stärken.

Kinder sollen stark gemacht werden

Für die pädagogischen Fachkräfte bedeutet das im Kita-Alltag, jedem Kind in der Gruppe mit Respekt gegenüber zu treten und diesen auch weiterzuvermitteln. Im Mittelpunkt der pädagogischen Arbeit stehen daher die Lebenswelten der Kinder und ihrer Familien. Die Räume und Angebote sollten in der Kita so gestaltet werden, dass jedes Kind die Chance hat, sich darin wiederzufinden. Dabei ist von großer Bedeutung, dass alle Kinder eine Wertschätzung für ihre Sprache und Kultur erfahren. Nur so sind sie in der Lage, eine positive Identität aufzubauen.

Die Rolle der pädagogischen Fachkräfte

Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung setzt in erster Linie bei den pädagogischen Fachkräften an. Erzieherinnen und Erzieher reflektieren ihre eigene Praxis in Bezug auf Vorurteile und deren Auswirkungen. Sie entwickeln Strategien und berücksichtigen hierbei die individuellen Besonderheiten der Lebenswelten jedes Kindes.

Annika Sulzer und Petra Wagner fordern die pädagogischen Fachkräfte auf:

„… das Handwerkzeug, das man als Erzieherin bzw. Erzieher mitbringt, kritisch zu überprüfen und grundlegend um ein Bewusstsein für Diversität wie auch für Diskriminierungs- und Anschlussrisiken zu ergänzen.“(Sulzer und Wagner, 2011, Seite 50)

Das Konzept der vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung richtet sich an folgende Handlungsfelder:

  • Lernumgebung
  • Interaktion mit Kindern
  • Zusammenarbeit mit Eltern
  • Zusammenarbeit im Team/ Kollegium

Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung ist eine lebenslange Reise für Kinder und Erwachsene.

Literaturempfehlungen

Petra Wagner (Hg.) (2013): Handbuch Inklusion. Grundlagen vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung. Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgrau

Annika Sulzer und Petra Wagner (2011): Inklusion in der Frühpädagogik: Qualifikationsanforderungen an die Fachkräfte. Expertise für die WIFF im Deutschen Jugendinstitut, München. http://www.weiterbildungsinitiative.de

Annett Leissau, Text aus www.kindergartenpaedagogik.de/1525.html, besucht am 30.12.2016

Anne Ratzki (2004): Referat: Pädagogik der Vielfalt mit Beispielen aus skandinavischen Schulen. Fachtagung „Konzeptentwicklung zur neuen Schuleingangsphase und Förderplanung“. Download unter: http//www.eu-mail-info/media/germany/ratzki_2004-12.pdf, besucht am 30.12.2016

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